Integration durch Konversation

Ich treffe mich mit einer Gruppe von älteren Frauen im Café Argo in Chur. Sie sind Mitglieder des Vereins Femmes Internationales. Jeden zweiten Dienstag treffen sie sich mit Flüchtlingen und Migranten um gemeinsam Deutsch zu reden. Sie sitzen an einem Tisch und legen die Daten für die nächsten Treffen fest. Ich sehe einige bekannte Gesichter, da ich sie bereits einige Male besucht habe. Ich bin neugierig geworden, was der Hintergrund dieser Treffen ist und wie es dazu kam. Christine Luginbühl, die Präsidentin der Gruppe, kenne ich bereits. Sie arbeitet bei one-magazine mit und übersetzt Texte. Die ersten Schüler treffen ein. Es sind vier junge Männer und drei Frauen. Die meisten in meinem Alter. Die Begrüssung ist herzlich. Man erkundigt sich, wie es mit dem Deutsch-Lernen läuft und wie die Jobsuche voran geht. 

Heidi Domenig erklärt sich bereit, mit mir ein Interview über den Verein zu machen. Ihr Hochdeutsch ist sehr gut, da ihre Eltern aus Berlin stammen. Früher hat sie als Sprachlehrerin an der kaufmännischen Berufsschule unterrichtet.

„Ich bin schon fast von Anfang an bei Femint dabei. Der Verein Femmes Internationales wurde vor 20 Jahren gegründet. Wir haben eigentlich dieses Jahr ein Jubiläum. Lacht herzlich. Man hat diesen Verein gegründet speziell für die Integration von Frauen. Es konnten alle Frauen, die hier in Chur und Umgebung  wohnen, zu uns kommen. Einmal pro Monat wurden am Abend Vorträge, Berichte über die Herkunftsländer, internationale Küche, Schweizer Gemeinwesen und Politik, Basteln, Blumenbinden und vieles mehr angeboten. Mit der Zeit wurde das nicht mehr so genutzt. Die Frauen hatten andere Netzwerke gebildet. Und so haben wir uns entschieden einen Kaffee Treff zu machen. Dieser wurde auch wenig besucht. Dann kam plötzlich die Anfrage vom Amt für Integration, ob wir nicht unstrukturierten Deutschunterricht für Flüchtlinge anbieten. Die ersten, die kamen, waren 20 junge Männer aus Afghanistan. Sie kamen hierher und wir haben versucht ihnen auf allen möglichen Stufen Deutsch beizubringen.“

Das Ziel ist nach wie vor die Integration. Menschen, die hier leben, haben oft nicht die Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu treten und zu sprechen. Wir möchten ihnen das hier bieten.

Neben uns am Tisch sitzt ein älterer Herr und redet mit zwei Frauen aus Japan. Er fragt sie, ob sie nicht Angst vor Spinnen hätten.

„Das Niveau ist sehr unterschiedlich. Der Kollege neben uns – er war Mittelschullehrer – liest zum Beispiel sogar politische Artikel mit seinen Schülerinnen. Wir hatten auch einmal einen Flüchtling, der Analphabet war. Wir mussten ihm zuerst das Schreiben beibringen. Manche können auch gut Englisch, dann fällt das Übersetzten und Übertragen ins Deutsche einfacher.“

Das ist der Vorteil gegenüber anderen Deutschkursen. Wir können auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen. Bei uns kann jeder das lernen, was er braucht.

„Es ist schon anstrengend völlig auf jemanden einzugehen. Aber es ist schön, wenn man sich engagieren und seine Zeit sinnvoll nutzen kann.“ Lächelt.

Ich verabschiede mich von Heidi und fange mit der Kamera Impressionen ein. Einige Flüchtlinge werden etwas unsicher, als sie die Kamera sehen und lächeln verlegen. Ein junger Mann, der lässig seinen blauen Rucksack um die Schulter trägt, kommt auf mich zu und stellt sich mit einem breiten Grinsen vor. Er erzählt mir über seine Erfahrungen im Deutschkurs.

 

Weitere Informationen zum Treffen der Gruppe Femmes Internationales finden Sie beim Amt für Integration. Bei Fragen können Sie Christine Luginbühl, die Präsidentin der Gruppe, kontaktieren.

clugin@bluewin.ch

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