Respekt!

Was bedeutet für dich Respekt? Diese Frage habe ich Samaneh und Mohammed aus dem Iran, Christine aus der Schweiz und Aref aus Afghanistan gestellt. Sie wurde sehr unterschiedlich beantwortet, da Respekt in vielen Bereichen des Lebens eine Rolle spielt. Was bedeutet Respekt überhaupt? Im Duden werden folgende Bedeutungen aufgeführt: Achtung aus Anerkennung und Bewunderung oder Achtung aufgrund der höheren Stellung. Meiner Meinung nach fehlt hier noch etwas: Nämlich die Toleranz und die Akzeptanz von Mitmenschen und deren Lebensweisen und Rechten.

 

Samaneh und Mohammed, Iran

Wie wichtig ist Respekt in deiner Kultur?

Gegenüber allen älteren Leuten ist Respekt wichtig. Auch vor den älteren Geschwistern haben wir Respekt. Wenn der Vater nach Hause kommt, begrüsst ihn die ganze Familie. Wir machen für alte Leute  im öffentlichen Verkehr Platz. Ausserdem ist es wichtig, dass man sich ausreden lässt und einander nicht ins Wort fällt. Wenn man jemanden anruft, fragt man: „Hallo, wie geht es dir? Wie geht es deinem Vater, der Mutter, der Grossmutter?“ Das ist in der Schweiz nicht so. Manchmal fragt man direkt, was man will.

Wenn ein Familienmitglied stirbt, trauert die ganze Familie. Es gibt drei Tage nach dem Tod eine Trauerfeier. Zusätzlich kommt die Familie sieben Tage und 40 Tage nach dem Tod zusammen, um zu trauern und zu beten. Das ist Teil der islamischen Tradition.

«Ich bin Bahai und meine Mutter ist Moslem.» (Mohammed)

Andere Religionen neben dem Islam werden nicht respektiert. Es gibt auch Christen im Iran. Wenn sie als Christen geboren werden, ist es okay. Aber nicht, wenn eine Person vom Islam zum Christentum konvertiert. Anhänger der Bahai Religion werden gar nicht akzeptiert. Sie werden verhaftet. Anhänger der Bahai Religion haben auch keinen Friedhof.

«Ich habe Pädagogik studiert und habe meinen Eltern gesagt, dass ich Moslem bin, damit ich studieren kann. Bahais gelten als schmutzig. Nicht die Menschen sind das Problem, die Politik ist das Problem.» (Samaneh)


Christine, Schweiz

Wie wichtig ist Respekt in deiner Kultur?

In der Schweiz sagen wir zu Fremden Sie. Man muss das Du zuerst anbieten. Die ältere Person sagt ob, man Du sagt.

«Ich mag es nicht, wenn ich einfach gedutzt werde.»

Bei der Begrüssung geben wir erst Küsschen, wenn wir uns gut kennen. Der «Personal Space» ist sehr wichtig in der Schweiz. Wir mögen es nicht, wenn uns Fremde zu nahe kommen oder uns berühren.

Der Respekt vor dem Alter ist auch bei uns wichtig. So machen wir älteren Personen in den öffentlichen Verkehrsmitteln den Sitzplatz frei. Da im Zug oder im Bus viele Leute gemeinsam auf engem Raum sind, ist es wichtig, dass wir Rücksicht nehmen. So stört es viele Leute, wenn jemand laut telefoniert oder ohne Kopfhörer Musik hört. Auch gilt es als unanständig, wenn man die Füsse auf die Sitze legt. Wenn man die Schuhe auszieht oder eine Zeitung darunter legt, ist es okay.


Aref, Afghanistan

Wie wichtig ist Respekt in deiner Kultur?

Als ich und meine Frau in der Schweiz ankam, war es sehr interessant für uns, dass sich die Menschen auf der Straße küssen. Wir waren etwas schockiert, da wir in Afghanistan in der Öffentlichkeit keine Zuneigung zeigen.

Es ist eine andere Kultur, da kann man nicht sagen, dass es besser oder schlechter ist.

In Afghanistan dürfen sich Männer und Frauen auch nicht in die Augen sehen, wenn sie miteinander reden, sonst kann es zu Eifersucht und Missverständnissen führen. Die Frau sollte dem Mann auf den Mund oder leicht über die Schulter schauen. Augenkontakt kommt einer Aufforderung gleich und gilt als respektlos. In der Schweiz hingegen ist der Augenkontakt bei Gesprächen wichtig.

Nein bedeutet in der Schweiz nein und ja, ja. Wenn man etwas zu trinken oder zu essen angeboten bekommt und nein sagt, bekommt man auch nichts. Die erste Antwort wird akzeptiert. Das ist in Afghanistan anders. Wenn wir etwas zum Trinken angeboten bekommen, sagen wir: «Nein, danke», auch wenn wir etwas trinken wollen. Bescheidenheit ist wichtig. Der Gastgeber fragt dann noch zwei Mal nach, ob man wirklich nichts trinken möchte. Dann sagen wir: «Ja.»

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