Hallo, es freut mich dich kennenzulernen

Ein Kontakt beginnt mit einer Begrüssung und der erste Eindruck zählt bekanntlich. Besonders wenn verschiedene Kulturen zusammentreffen kann es zu Missverständnissen kommen. Damit du nicht gleich beim ersten Treffen in ein Fettnäpchen trittst, habe ich Aline aus der Schweiz, Sajad und Khatereh aus Iran, Euphrates aus Syrien, Nagako aus Japan, Gang Lhamo aus Tibet und Haben aus Eritrea gefragt, wie man sich in ihrer Kultur begrüsst.


Aline, Schweiz 

Hallo, wie gohts? (Hallo, wie geht es dir?)

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

In der Schweiz begrüssen Frauen Freunde und Bekannte mit drei Küsschen auf die Wangen. Die Männer geben sich die Hand. Wenn ein Mann eine Frau begrüsst, dann geben sie sich ebenfalls drei Küsschen auf die Wangen. Damit zeigen wir ihnen, dass wir sie mögen und dass sie uns wichtig sind. Wir sagen dabei „Hallo, wie gohts?“ und tauschen so die Höflichkeiten aus. Dabei sagen wir „Du“ zueinander. Sehr gute Freunde werden oft mit einer herzlichen Umarmung begrüsst. Wir zeigen ihnen damit, dass wir sie sehr mögen und dass sie uns am Herzen liegen. Auch in dieser Situation sagen wir „Hallo, wie gohts?“ und sagen „Du“ zueinander.

Drei Küsse bei der Begrüssung
Foto: 20 Minuten

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Respektpersonen grüssen wir mit einem kurzen aber festen Händedruck. Dabei schauen wir uns in die Augen und lächeln. Im Schweizer Dialekt sagen wir „Grüezi!“, was soviel wie „Guten Tag“ oder „Guten Abend“ bedeutet. Wenn wir die Respektperson das erste Mal treffen, dann stellen wir uns folgendermassen vor: „Grüezi, mein Name ist Aline Gsell“. Die andere Person sagt dann „Freut mich. Mein Name ist Max Muster“. Das „Freut mich.“ bedeutet soviel wie „Es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen.“ Bei Respektpersonen sprechen wir die Personen in der Höflichkeitsform an, also mit „Sie“.

Der feste Händedruck vermitttelt der anderen Person, dass man selbstbewusst ist und weiss was man will. Indem wir einander in die Augen schauen, zeigen wir, dass wir an der anderen Person interessiert sind und sie respektieren.

Das Lächeln entspannt die Situation und wir zeigen damit, dass wir uns freuen, die andere Person kennen zu lernen.


Khatereh und Sajad, Iran

Salâm, chetore? (Hallo, wie geht es dir?)

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

Wir begrüssen uns wie in der Schweiz mit drei Küssen und «Salaam» (Persisch für Hallo). Oder je nach Kollegengruppe mit einem Handschlag oder High-Five. Im Iran ist Persisch die meistgesprochenen Sprache.

Junge Iranerinnen unter sich
FOTO: Mohammad Reza Hassani

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Den Chef begrüsse ich nur mit einem «Salaam». Früher hat man im Iran «Durood» gesagt. Das ist aber veraltet und wird nur noch in Gedichten verwendet. Wenn sich zwei Frauen oder zwei Männer auf der Strasse begrüssen, geben sie sich die Hand und haben kurz Augenkontakt.

Zu langer Augenkontakt gilt als unhöflich.

Wenn sich eine Frau und ein Mann begrüssen geben sie sich nicht die Hand. Körperkontakt zwischen Mann und Frau gilt zu vermeiden. Das hat mit dem Islam zu tun.


Euphrates, Syrien

Marhaba, kefak? (Hallo wie geht es dir?)

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

In Syrien sagt man «Marhaba» für Hallo. «Mar» bedeutet du und «haba» wilkommen. «Marhaba» ist ein sehr altes Wort und stammt aus dem Aramäischen. Wenn ich meine Freunde begrüsse gebe ich ihnen die Hand und sage «Marhaba». Hallo wie geht’s bedeutet: «Marhaba kefak», wenn man einen Mann begrüsst und «Marhaba kefik» für eine Frau. Die Amtssprache in Syrien ist Arabisch. Daneben werden verschiedene arabische Dialekte sowie Armenisch und Türkisch gesprochen.

Wenn sich ein Mann und eine Frau begrüssen, kommt es darauf an, wie religiös sie sind und welche Einstellung sie haben. Ist zum Beispiel die Frau gläubig und der Mann streckt ihr die Hand hin zur Begrüssung, legt sie ihre Hand auf die Brust um zu zeigen, dass sie keine Berührung möchte. Langer und tiefer Augenkontakt gilt als unhöflich, da es Begehren zeigt. «Salaam-Alaikum» ist ein Gruss im religiösen Kontext. «Salaam-Alaikum» sagt man als Begrüssung. Es heisst so viel wie: Der Friede sei mit dir. Als Antwort sagt man «Alaikum-Salaam».

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Wenn zwei Geschäftsleute einen Deal abschliessen, besiegeln sie diesen mit einem festen Händedruck. Bei Scheichen verbeugt man sich und küsst ihnen die Hand.

Früher haben auch Enkel die Hände ihrer Grosseltern geküsst als Zeichen des Respekts.

In der Türkei wird das auch heute noch gemacht. Sie haben es von den Arabern übernommen.


Nagako, Japan

Kon’nichiwa, genkidesuka? (Hallo, wie geht es dir?)

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

«Kon’nichiwa» mit einem kleinen Neigung des Kopfes und «Sayōnara» um sich zu verabschieden. Man gibt sich nicht die Hand und hat auch keinen Körperkontakt. Die Verbeugung ist kein Muss. Aber wenn sich jemand verbeugt, vereugt man sich auch.

Wenn man nach Hause kommt zu seiner Familie sagt man «Tadaima» (Ich bin zu Hause). Um jemanden zu sich zu winken, hält man die Hand mit der Handfläche nach unten macht mit den Fingern eine Schaufelbewegung. So winken einen auch die Wink-Katzen, Maneki-neko genannt, herbei. Sie gelten als Glücksbringer. Sie werden in Restaurants und Läden aufgestellt, um Kunden anzulocken.

Maneki-neko, Japan FOTO: 1K Smiles

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Wie im Deutschen gibt es auch im Japanischen eine Höfflichkeitsform.

In Japan hat der Grad der Verbeugung eine Bedeutung. Je tiefer man sich verbeugt, desto mehr Respekt zeigt man.

So verneigen wir uns bei älteren Leuten um 30 Grad. Dies macht man auch um sich zu bedanken. Den Chef, Kunden oder Könige begrüssen wir mit einer 45 Grad Verbeungung.  In Tempeln, vor Schreinen oder um sich für einen schlimmen Fehler zu entschuldigen, verbeugt man sich besonders tief. Hier ist eine Verneigung von 90 Grad angebracht.

Zwei Geschäftsleute in Japan begrüssen sich mit einer Verbeugung. FOTO: altranslations.com


Gang Lhamo, Tibet

Kherang dhepo yenpe? (Hallo, wie geht es dir?)

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

Wir geben uns beide Hände und sagen «Tashi delek».

«Tashi delek» bedeutet: Viel Glück oder möge es dir wohlergehen. Wir sagen das um jemanden zu beglückwünschen oder um jemanden zu begrüssen.

«Ku kham zang» bedeutet: gute Gesundheit und wird auch verwendet um Hallo zu sagen. Die tibetsche Kultur ist stark vom Buddismus geprägt. Manche sagen auch «Hello», aber das ist der Einfluss der westlichen Kultur.

„Tashi delek“
FOTO: Efrat Nakesh

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Als Zeichen des Respekts schaut man älteren Leuten bei der Begrüssung nicht in die Augen. Den Chef begrüssen wir auch mit «Tashi delek» und richten die Augen nach unten. Heute gibt es auch Leute, die in die Augen schauen. Wir machen keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.

Wenn wir einen Mönch sehen, legen wir die Hände vor der Brust zusammen, als würden wir beten, richten den Blick nach unten und sagen nichts oder «Tashi delek».

Dalai Lama begrüsst einen Mönch FOTO: Manuel Bauer


Haben, Eritrea

Wie begrüsst du deine Freunde und Bekannte?

Wir begrüssen Freunde mit einer Umarmung, geben die Hand oder geben uns drei Küsse auf die Wange. In Tigrinya sagt man «Selam» für Hallo. Tigrinya ist neben Arabisch die Amtssprache in Eritrea.

Zwei junge Eriträer begrüssen sich
FOTO: Elena Mantovan

Wie begrüsst du eine Respektperson?

Ältere Leute begrüsse ich, indem ich ihr die rechte Hand gebe und die linke lege ich auf mein Herz. Das bedeutet, dass die Begrüssung von Herzen kommt.

Um eine Respektperson zu grüssen gibt man die rechte Hand und hält mit der linken Hand die rechte Hand um das Handgelenk fest. Das ist ein Zeichen des Respekts. Um den Segen von älteren Leuten zu erhalten bückt man sich vor ihnen und sie legen einem die Hand auf den Rücken und sprechen einen Segen. Dies wird auch nach der Hochzeit durch die Grossmutter gemacht.

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